Vancouver, 16.02.04 - 22.02.04

Diese Woche steht ganz im Zeichen von San Francisco. Unseren einwöchigen Urlaub (offiziell "Reading Week" genannt), haben wir zu einem 4-tägigen Trip nach San Francisco genutzt.

Dienstag

Heute ging unser Flug nach SF mit "Alaska Airlines". Der geplante Abflug um 11:40 verzögerte sich allerdings aufgrund der schlechten Wetterbedingungen in SF um 45 Minuten, was ja schon mal kein gutes Omen war. Dies nutzten wir zu einer kleinen Kaffepause auf dem Flughafen. In SF angekommen, wurden wir auch erstmal von einem regelrechten Wolkenbruch empfangen und machten uns mit den öffentlichen Verkehrsmitteln auf den Weg zu unserem Hotel, was aufgrund des guten Nahverkehrsnetzes von SF erstaunlich einfach war. Wir hatten uns ein billiges Hotel im Zentrum von San Francisco am Union Square ausgesucht - zum Schlafen ausreichend. Bis wir dann fertig waren, war es schon fast wieder dunkel und wir verbrachten den Abend damit, bei Regen unsere Nachbarschaft (bestehend aus Chinatown, Little Italy und dem Financial District, in dem die berühmte Transamerica Pyramid steht) per Fuß zu erkunden. Außerdem habe ich mir noch einen günstigen Reiseführer von Michelin gekauft, der uns während unseres Aufenthaltes sehr gute Dienste geleistet hat.

Mittwoch

Mittwoch Morgen begrüßte uns die Sonne und blauer Himmel, nach dem Regen gestern sehr angenehm. Nach einem Frühstück machten wir uns auf den Weg um ein 3-Tages-Ticket für das öffentliche Nahverkehrsnetz zu kaufen, was sich als sehr praktisch erwies. Mit der berühmten "Cable Car" (auf dem Foto sieht man gerade, wie sie auf einer drehbaren Plattform gedreht wird) ging es dann durch das hügelige San Fransisco in Richtung Golden Gate Bridge.

Vorher machten wir aber noch beim "Palace of Fine Arts" einen Zwischenstopp, der idyllisch an einem See gelegen ist. "Wir", das sind neben den üblichen 4 Verdächtigen aus Deutschland noch 3 Kanadier, die mit uns an der UBC studieren. Auf dem Foto von links nach rechts: Mike, Markus, Wolfgang, Conrad, Jocelyn, Jen und meine Wenigkeit etwas weiter vorne.

Durch das "Presidio", ein ehemaliges Militärgelände, das jetzt zum Park umgebaut ist, ging es dann zu Fuß zur Golden Gate Bridge, die uns bei Sonnenstrahl anlächelte. Was soll man da sagen, die Brücke ist einfach wunderschön und ich habe ca. ein Drittel meiner Bilder dort gemacht...

Danach sind wir dann in den (trotz des Namens nicht direkt neben der Brücke liegenden) Golden Gate Park, dem größten Parks SF gefahren. Dort gab es auch einen "Japanese Tea Garden", der besonders schöne Licht-Schatten-Spiele zu bieten hatte. Im Anschluss ging es noch auf die "Twin Peaks", zwei hohe Hügel, die bei orkanartigen Winden gar nicht so einfach zu besteigen waren, aber dafür einen schönen Ausblick auf die in Dunkelheit versinkende Stadt boten. Leider habe ich davon kein schönes Foto hinbekommen...

Donnerstag

Unser Tag startete heute mit einer Fahrt zu "Fisherman's Wharft", der Hafen/Pier-Gegend von SF. Nach klassischen Fish n' Chips zum Mittagessen sind wir zu einem Ausflug nach Alcatraz, dem berühmt berüchtigten Gefängnis aufgebrochen, wo wir den Nachmittag verbracht haben. Zumannen mit den gefährlichen Gefängnisinsassen Jen und Jocelyn ist uns dann glücklicherweise noch bei Tageslicht die Flucht von der Insel gelungen. Nach einem Streifzug durch die verschiedenen Piers, besuchten wir dann noch die kurvigste Straße der Welt, wo eine Meute von Touristen (inklusive mir) nichts besseres zu tun hatte, als Fotos zu schießen.

Freitag

Für den Vormittag stand diesmal der auf dem Telegraph-Hill gelegene Coit-Tower auf dem Programm, der 1935, ermöglicht durch eine Spende von Alfred Hitchcocks Frau, erbaut wurde und einen schönen Blick über die Stadt bot.

Danach sind Conrad, Markus und ich ins Cable Car Museum gegangen, was mir Gelegenheit bietet, kurz über die Cable Car zu schreiben. SF liegt auf ziemlich hügeligem Gelände, aber die Straßen sind, wie in den meisten nord-amerikanische Städten, in einem strengen Schachbrettmuster angelegt, was dazu führt, dass es ziemlich steile Passagen gibt. Deswegen wurden noch im 19 Jahrhundert mehrere Cable Car Linien eingeführt. Das sind kleine Wagen die auf Schienen laufen, fast wie eine Straßenbahn. In der Mitte der Schienen gibt es aber noch eine Öffnung im Boden zu einem Schacht der unterhalb der Straßenoberfläche verläuft. In diesem läuft ein Stahlseil durch die ganze Stadt, das von starken Maschinen mit ca. 15 km/h gezogen wird. Dieses kann der Fahrer des Cable Car mit einer speziellen Mechanik "abgreifen", um so, ganz ohne eigene Energie des Cable Cars, die Berge hochzufahren. Vier der ehemals 8 Linien sind heute noch in Betrieb und in dem Gebäude, in dem die vier Kabel angetrieben werden, ist auch das Museum, so dass man die Räder, über die das alles läuft, sehen kann und die ganze Technik erklärt bekommt. Wirklich ein faszienierendes System und auf dem äußersten Steg "hängend" mit der Cable Car die Berge hoch und hoch runter zu fahren, ist wirklich ein riesen Spaß, fast wie Achterbahn!

Danach sind wir nochmal zu "Fisherman's Warf", um das wunderschöne, dort liegende Segelschiff "Balclutha" zu besichtigen. Dort trafen wir dann auf eine Gruppe von ca. 20 Kindern, die von einer als Kapitän verkleideten Frau angebrüllt wurden und mit "Aye Captain" antworten mussten. Auf Nachfrage erfuhren wir dann, dass es sich um ein "Education-Program" handelte, bei dem die Kinder über Nacht auf dem Schiff bleiben und typische Aufgaben, inklusive Kartoffelschälen, Deck schrubben und Wache stehen ausführen müssen. Klingt nach Abenteuer, aber das erschreckende war der Ton, der war schon sehr autoritär, wie im 19. Jh. halt. Aber die Amis finden das wohl ganz toll...

Abends haben wir uns dann noch die "City Hall", das Rathaus von SF angesehen. Wie ihr vielleicht auch in den Nachrichten mitbekommen hat, hat der Bürgermeister von SF diese Woche damit begonnen, "Same-Sex-Marriages" durchzuführen, obwohl dies vom Staat Kalifornieren nicht vorgesehen ist. Innerhlab dieser einen Woche, in der wir vor Ort waren, gab es wohl knapp 3.000 solcher Hochzeiten. Politisch ist das ein brisantes Thema und hier gerade groß in den Nachrichten. So waren vor dem Rathaus auch dutzende Übertragungswagen von allen TV-Sendern geparkt... Vielleicht haben wir hier ja auch gleich noch ein bißchen politische Zeitgeschichte mitbekommen.

Samstag

Den Vormittag unseres letzten Tages habe ich dann mit Einkaufen verbracht. Levis kommt ja aus SF, so dass ich mir hier eine 501 gekauft habe, für gerade mal 39,- US Dollar, was ungefähr 32 EUR entspricht. Recht günstig, wie ich finde.

Nachmittags haben wir uns dann auf den Weg zum Flughafen gemacht, unser Flug ging um 5:44 zurück nach Vancouver, wo wir abends ohne Probleme ankamen. Auf dem Flughafen in SF hatte ich aber noch ein kleines Abenteuer zu bestehen. Nachdem ich zweimal durch die Sichereitskontrollen gegangen bin (wir sind noch einmal zurück, weil wir noch viel Zeit hatten und noch was essen wollten) ist mir eingefallen, dass ich ja mein Taschenmesser im Rucksack vergessen hatte (war auf dem Hinflug in der Reisetasche). Es ist aber bei keinem der beiden Checks aufgefallen, was ich dann doch etwas bedenklich finde...

Insgesamt hatten wir eine sehr schöne Zeit, San Fransisco ist wirklich eine wunderbare Stadt. Was wohl auch daran liegt, dass es im Gegensatz zu den meisten amerikanischen Städten wirklich soetwas wie Geschichte hat und natürlich daran, dass das Wetter mitgespielt hat.


[ Impressum ]