Kanada, 03.05.04 - 09.05.04

Montag

Den Vormittag und Mittag haben wir genutzt, um uns die Library of Congress, die größte Bücherei der Welt, anzusehen und im Capitol den Senat bei einer Sitzung zu beobachten. Dies stellte sich aber als sehr langweilig heraus, da im Sitzungsaal immer nur eine Handvoll von Senatoren anwesend sind und die restlichen die Sachen in ihren Büros per TV (!) verfolgen und nur für Abstimmungen dorthin eilen. Ob so eine echte Disussion entstehen kann? Das kanadische Redeparlament nach britischem Vorbild war jedenfalls da wesentlich unterhaltsamer.

Nachmittags haben wir uns dann zur Greyhound-Station begeben, um über Nacht nach Toronto zu fahren. Das stellte sich als sehr chaotisch heraus, weil wir zunächst erstmal in den Bus nach New York (das sollte unsere 1. Station sein) gar nicht mehr hineinkamen. Als wir dann leicht beunruhigt bei einer Mitarbeitern nachfragten, wie das denn jetzt noch funkionieren soll, stellte sich heraus, dass es die für uns in Montreal ausgedruckte Route gar nicht mehr gab, weil die dort die Fahrplanumstellung am 1. Mai vergessen hatten! Diese Damen hat dann für uns aber eine neue Route herausgesucht und uns in den richtigen Bus gesetzt, der sogar ungefähr gleich lange brauchte.

Unterwegs mussten wir dann nach zweimal umsteigen, einmal um 3:30 nachts, und um 6:30 durch den kanadischen Zoll (was die Anzahl der Mitfahrer im Bus übrigens um ca. 5 Personen reduzierte), so dass wir leider nicht so wirklich viel Schlaf bekamen. Dafür hatten wir uns eine Übernachtung gespart.

Dienstag

Unseren einen zusätzlichen Tag in Toronto haben wir im Ontario Science Center verbracht, wo es viele lustige Hands-On-Experimente gab und nachdem wir erstmal in den Kinder-Modus umgeschaltet hatten, haben wir dort einen schönen Nachmittag verbracht.

Morgen werden wir um 9 Uhr morgens nach Calgary fliegen, von wo aus wir dann mit dem Auto durch die Rocky Mountains (und die berühmten Banff- und Jasper-Nationalparks) zurück nach Vancouver fahren wollen. Ich vermute mal, dass es mit der WLAN-Situation dort nicht so gut aussieht, also werde ich vermutlich erst wieder Berichte hochladen können, wenn ich so gegen den 10. oder 11. Mai zurück in Vancouver bin.

Rocky Mountains

Inzwischen bin ich wieder gut in Vancouver angekommen. Hinter uns liegen fünf Tage, auf denen mich die Landschaften in den kanadischen Rocky Mountains schwer beeindruckt haben. Die Berge hier sind die höchsten und schroffsten in den Rockies und haben mich einfach umgeworfen. In Calgary haben wir uns mit Jocelyn (die auch mit uns in San Francisco war) getroffen und sind von dort aus durch die Banff- und Jasper-Nationalparks zurück nach Vancouver gefahren. Hier zunächst mal ein kleiner Vorgeschmack an Eindrücken, ich werde dann in den nächsten Tagen ausführlichere Berichte mit mehr Bildern liefern.

Mittwoch

Von der Jugendherberge aus mussten wir in aller Frühe zum Flughafen fahren, um unseren Flug nach Calgary zu erwischen. Anstatt eines Taxis wurde uns empfohlen, eine Limousine zu bestellen und das war tatsächlich einige Dollars billiger.

Bei der Landung in Calgary gab es erstmal eine Überraschung: Dort war alles weiß und Jocelyn, die uns am Flughafen abholte, erzählte uns auch gleich, dass es dort gestern geschneit hatte. Wir machten uns mit unserem Mietwagen auf den Weg nach Banff, einer kleinen Touristenstadt im Banff-Nationalpark. Von den Bergen sahen wir zu diesem Zeitpunkt leider nicht viel, weil alles wolkenverhangen war und es wieder zu schneien begonnen hatte. Als Unterkunft haben wir uns eine kleine Hütte mit Kamin und Küche ausgesucht, was sich für fünf Leute als fast so günstig wie die Jugendherberge herausstellte, weil wir gerade zwischen der Ski- und der Sommer-Saison ankamen und dadurch alles sehr leer war.

Inzwischen hatte es schon wieder richtig angefangen zu schneien und nach einer kleinen Schneeballschlacht, haben Markus und ich uns aufgemacht, Feuerholz für ein schönes Kaminfeuer zu schlagen. In der Zwischenzeit hatten wir auch etwas eingekauft und konnten in unserer Küche ein leckeres Essen zubereiten, das wir gemütlich am Kaminfeuer aßen.

Donnerstag

Heute morgen begrüßte uns nach dem Schneefall von gestern zu unserem Erstaunen blauer Himmel und Sonne und im Laufe des Tages wurde es sogar richtig warm. Bei dieser Sicht merkten wir erst richtig, in welch einer tollen Landschaft wir uns hier eigentlich befanden, das hatten wir gestern Abend gar nicht so richtig sehen können. Banff liegt in einem Tal umgeben von atemberaubenden Bergen und über Nacht hatte es nochmal schön geschneit, so dass alles im wunderschönem Weiß erstrahlte.

Nach einem Frühstück ging es dann nach Norden zum berühmten Lake Louise, einem Bergsee in wunderschönem Ambiente. Normalerweise hat er wohl eine wunderschöne blaue Farbe und tolle Spiegelungen der umliegenden Berge, da er aber größtenteils noch vereist war, konnten wir davon nicht viel sehen. Trotzdem war der Anblick immer noch beeindrucken. Leider konnten wir nur um den halben See herumlaufen, da auf den anderen Wegen vor Lawinen gewarnt wurde. Auf einem etwas abenteuerlichen Weg durch ca. 50cm hohen Schnee (der großtenteils aber vereist und damit begehbar war) bestiegen wir auf einer ca. 1-stündigen Wanderung einen kleinen Hügel, von wo aus man einen tollen Blick auf den See hatte.

Für die Nacht haben wir im nahegelegenen Ort Lake Louise (Ort ist übertrieben, da wohnen höchstens hundert Leute) nach einer Unterkunft gesucht, was sich wieder als erstaunlich einfach erwies. Folgende Geschichte illustriert die Situation dort ganz gut: Als Wolfgang und ich in ein Hotel hineingingen und nach einer Unterkunft für fünf Leute fragten, bot uns der Portier ein kleines Appartement mit zwei Doppeltbetten und einem Einzelbett plus Küche für 200 kanadische Dollar an. Wir wollten schon "ja" sagen (ist schon sehr günstig), aber er setzt gleich nach: "Aber ich kann Euch das natürlich für 160 Dollar geben". Da sagt man nicht nein, das war billiger als die Jugendherberge und viel schöner. Hier der Blick vor unserer Haustür.

Freitag

Heute sind wir den "Icefields Parkway", eine 230km lange Straße die von Lake Louise nach Jasper führt, hochgefahren. In den Reiseführern wird dies als die schönste Straße Kanadas, in manchen sogar als die schönste der Welt beschrieben. Da ich noch nicht genug herumgereist bin, kann ich keine der Aussagen bestätigen, aber gut möglich ist es schon. Die Straße führt durch eine Reihe von Tälern durch eine fantastische Berglandschaft und es gibt unterwegs viele Aussichtspunkte und Wanderwege zum Anhalten. Am besten wird das vielleicht in folgendem Bild deutlich, in dem sich die Straße (die wir zu dem Zeitpunkt schon lang gefahren waren) durch die Berge schlängelt.

Zunächst kamen wir aber zum Peyto-Lake, einem weiteren berühmten Bergsee, über den wir nach einem etwas schwierigen Aufstieg durch den Schnee einen tollen Überblick hatten. Der Schnee auf dem Weg selbst war festgetreten, aber wenn man mal danebentrat, war man schnell bis zur Hüfte im Schnee versunken.

Auch in den Tälern gab es einige Höhepunkte. Teilweise hatten sich die von Gletschern und Bergseen gespeisten Flüsse hier tolle Canyons in den Fels gegraben. Die sind teilweise so eng, dass es schwierig war, sie überhaupt zu fotographieren. Auf dem ersten Bild stehe ich bustäblich nur wenige Schritte vom Abgrund entfernt und viele Meter unter mir tobte der Fluss. Da wird einem schon etwas mulmig, zumal dort alles so belassen wurde und keine Sicherungszäune oder ähnliches angebracht wurden.

Ansonsten kamen wir noch an einem echten Gletscher vorbei, der fast bis zur Straße reichte, aber leider nicht vernünftig zu fotographieren war, weil er durch das Eis und die Sonne einfach nur weiß war. Neben den fantastischen Landschaften haben wir auch noch einige Tiere gesehen, sogar ein freilebender Schwarzbär begegnete uns am Wegesrand und wir konnten ihn aus dem sicheren Auto fotographieren.

Abends kamen wir dann in Jasper an und haben wieder einen günstigen und gemütlichen Schlafplatz gefunden, diesmal sogar für 100 kanadische Dollar, was ungefähr 13,- EUR pro Person entspricht.

Samstag

Heute haben wir den Jasper-Nationalpark wieder verlassen und uns auf den Weg nach Kamloops, Jocelyns Heimatstadt gemacht. Auf dem Weg dorthin stoppten wir noch kurz am Mt. Robson, dem mit 3954m höchsten Berg der kanadischen Rockies, dessen Gipfel sich allerdings in Wolken verhüllte.

Ca. 100km vor Kamloops machten wir dann noch einen längeren Abstecher in den Wells Provincial Park, der vor allem für seine Wasserfälle, die über kurvige Straßen und kurze Wanderwege erreichbar waren, bekannt ist. Der Helmcken-Fall mit dem Regenbogen ist der höchste und schönste.

Abends kamen wir dann bei Jocelyns Eltern an, die ein schönes Haus an einem Hügel mit Blick auf Kamloops haben. Dort wurden wir erstmal mit einem leckeren Abendessen begrüßt. Danach testeten wir unser Wissen über Kanada mit einem Quizzspiel (ähnlich wie Trivial Pursuit) mit rein kanadischen Themen. Und obwohl die Fragen nicht einfach waren, haben wir doch das ein oder andere hinbekommen, zum Teil mit Wissen, das wir auf unserer Rundreise erworben hatten.

Sonntag

Den Sonntag haben wir in und um Jocelyns Heimatstadt Kamloops verbracht. Wir sind am nahe gelegenen Paul Lake auf einen kleinen Hügel gewandert und haben uns ein wenig die Innenstadt angesehen. Die Stadt hat ca. 90.000 Einwohner (allerdings ist da wohl das Umland recht großzügig eingerechnet) und ist ganz nett, auch wenn wir dort normalerweise wohl kaum gestoppt hätten. Aber so haben wir mal einen Einblick in eine typische kanadische Stadt erhalten und abends hat Jocelyns Mutter auch noch ein tolles Abendessen für uns gemacht. Das haben wir dann zusammen mit Ihrer Familie (plus Oma) gegessen und dabei viele schöne Geschichten erzählt bekommen.


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