Vancouver, 08.09.03 - 14.09.03

Dies ist meine erste "richtige" Uni-Woche, d.h. diese Woche habe ich das erste Mal Kurse. Mal sehen, wie anstrengend das wirklich wird.

Montag

Heute bin ich erstmal mit einem richtig schönen Muskelkater aufgewacht. Die Wanderung gestern hatte es doch in sich. Am liebsten wäre ich keine einzige Treppe gelaufen. Ließ sich aber leider nicht vermeiden.

Zu allem Überfluss war heute morgen auch noch die erste Trainings-Einheit in "Ultimate Frisbee". Das ist eine Wettkampfvariante von Frisbee und wird im Team gespielt. Auf den Seiten der Ultimate Players Association gibt es viele Informationen und Bilder über den Sport. Zum Glück wurden heute nur die Regeln erklärt und ein paar neue Wurftechniken geübt, so dass ich mich nicht zu viel bewegen musste.

Heute Nachmittag hatte ich dann noch meinen ersten Kurs, aber nach einer Stunde kann ich da noch nicht wirklich viel sagen. Bis darauf, dass wir gleich eine Hausaufgabe bekommen haben: Zwei Papers lesen.

Dienstag

An meinem freien Tag heute habe ich mich mit Martina, einer Freundin meiner Cousine Eva, getroffen, die hier gerade für zwei Monate bei einer Familie in der Nähe von Vancouver wohnt. Da sie schon ein paar Mal in Vancouver war, habe ich ihr erstmal den Campus gezeigt. Wir haben uns hauptsächlich zwei schön angelegte Gärten, den "Nitobi Memorial Garden" und den "botanischen Garten" angesehen, die ich auch noch nicht kannte. Für UBC-Studenten ist der Eintritt frei, sie musste einen geringen Eintritt zahlen. Die Gärte sind echt toll, wenn ich mal was lesen muss, weiss ich schon, wo ich hingehe.

Danach sind wir noch nach "Granville Island" gefahren, einer Halbinsel, die zwischen Vancouver und Vancouver Downtown (das mit den ganzen Hochhäusern) liegt. Dies ist so eine Art Künstler- und Marktviertel mit einer großen Martkhalle, in der man von frischem Fisch bis zu echtem europäischen Käse alles findet. Sogar Gummibärchen habe ich dort gefunden, die gibt es hier leider in keinem Supermarkt. Die Brücke führt sozuagen "über" Granville Island nach Downtown.

Mein Wohnviertel ist übrigens auf einem Hügel gelegen, so dass ich während der Busfahrt nach Hause einen tollen Blick über die vielen kleinen Wohnhäuser auf die Skyline habe. Schade nur, dass die ihre Stromleitungen hier nicht unter der Erde verlegen können, die machen immer das Bild kaputt!

Donnerstag

Vor ein paar Tagen habe ich mir zwei Ordner gekauft, um meine Blätter ordentlich abheften zu können. Heute wollte ich damit anfangen und erlebte gleich eine kleine Überraschung: hier werden drei Ringe verwendet, so dass die Löcher meiner vorgelochten Blätter nicht passen! Noch schlimmer: Die Blätter (und damit die Ordner) sind hier auch kleiner, so dass die DIN-A4 Blätter, nachdem ich sie mit einem hießigen Locher "nachgelocht" habe, auf einer Seite aus dem Ordner herausragen.

Warum kann es für soetwas wie Papiergrößen und Löcherpositionen keine Normen geben, die sich auf der ganzen Welt durchsetzen? Die Kanadier haben ja zum Glück schon das metrische System übernommen, aber Ihre Blätter messen sie immer noch in "inch" ab! Naja, jetzt werde ich mir halt hier einen Block kaufen müssen, die Blätter daraus müssten dann ja passen.

Freitag

Heute habe ich mir ein gebrauchtes Fahrrad gekauft! Ich denke, es ist ein ganz gutes Rad in gutem Zustand. Die 18-Gang Shimano-SIS Schaltung funktioniert einwandfrei, was gut ist, denn in Vancouver ist es doch ziemlich bergig, wie ich auf dem Weg nach Hause gemerkt habe. Das Rad selbst hat 160 Dollar gekostet, dazu kamen nochmal 80 Dollar für Licht, Schloss und Helm, der ist hier nämlich Pflicht.

Da ich schon am Fotographieren war, habe ich auch gleich noch ein paar Bilder vom Garten gemacht, den ich auch mitbenutzen kann. Schön, oder?

Samstag

Heute hatte Markus Geburtstag. Er wohnt zusammen mit Wolfgang in einer schönen Kellerwohnung, so dass wir dort zu viert gefeiert haben. Conrad hat unser Geschenk mit aktuellem Geschenkpapier eingepackt (bei dem Foto habe ich die beiden dazu angehalten, wie Politiker bei einer Übergabe zu schauen, was ihnen auch sehr gut gelungen ist). Auf dem zweiten Bild sieht man Markus vor seinen Geschenken. Das "Care-Paket" ist aus Deutschland, der Volleyball und die UBC-Tasse aus Vancouver.

Danach haben wir für Markus Lasagne gekocht, wobei er sich nicht davon abhalten ließ, mitzuhelfe, was für das Gelingen der Soße vermutlich entscheidend war. Wir haben zwar ein paar Stunden mit dem Kochen zugebracht, danach aber auch ein wirklich leckeres Essen gehabt. Zum Schluß gab es sogar noch einen Espresso mit Bohnen aus Deutschland. In Ermangelung von Espresso-Tassen mussten wir stilecht aus Schnapsgläsern trinken, was dem Geschmack aber keinen Abbruch tat. Am Ende haben wir den Herd sogar fast wie neu hinterlassen.

Sonntag

So, nachdem jetzt die erste richtige Uni-Woche vorbei ist, will ich mal versuchen, ein kleines Resümee zu ziehen. Wirklich in Arbeit versunken bin ich bisher noch nicht, aber man muss für die Kurse schon mehr tun als bei uns zu Hause. Dafür hat man ja auch nur drei.

Ein Kurs besteht hier aus zweimal 90 Minuten Vorlesung pro Woche, eine extra Übung gibt es nicht (für die Undergraduates im Grundstudium wohl schon). Meistens muss man für die nächste Stunde ein oder zwei Paper lesen. Manchmal gibt es auch ein Assignment (Übungsaufgaben), die dann auch in die Note eingehen, oder man muss ein Paper Review, also eine Zusammenfassung mit Bewertung über ein Paper schreiben.

Der Stil der Vorlesungen variert. "Topics in Programming Language" ist sehr verschult. Da steht der Instructor vorne und stellt Fragen, die dann die Klasse beantworten muss. Wenn man die richtige Antwort nicht herausbekommt, gibt er auch schon mal den halben Satz vor und man muss die andere Hälfte vollenden. Also typischer Frontalunterricht. Finde ich ziemlich albern, da lobe ich mir doch die Freiheit, die man bei uns zu Hause hat.

Die Vorlesung "Computational Geometry" dagegen ist so, wie man das bei uns gewöhnt ist. Vorne an der Tafel erklärt der Instructor das Thema und schreibt dabei die Tafel voll, ab und zu gibt es Zwischenfragen. Das sagt mir schon wesentlich mehr zu.

Über den dritten Kurs kann ich noch nicht viel sagen, weil er am Freitag ausgefallen ist, außer das man hier auch ab und an ein Paper Review schreiben muss.

Mein Stundeplan

Hier findet Ihr meine Kurse und einen Stundenplan.


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