Vancouver, 22.12.03 - 28.12.03

Montag

Heute Vormittag haben wir nach dem Rezept meiner Mutter Bethmännchen gemacht. Die nötigen Zutaten (bis auf Mehl und Eier) dazu kamen ebenfalls aus Deutschland. Es hat auch ganz gut geklappt, nur mit dem Backofen gab es etwas Probleme, die Bethmännchen sind unten etwas angebrannt und zu fest und braun, aber sie schmecken nicht schlecht. Die echten gibt es halt doch nur zu Hause, aber für unseren ersten Versuch war das schon ganz gut.

Nachdem wir uns Nachmittags noch "Canada Place" (das Gebäude im Hintergrund, wurde zur Expo in Vancouver gebaut) angeschaut haben, waren wir Abends auf eine "Potluck-Party" von einer Kommilitonin eingeladen. Zu so einer Party bringt jeder etwas zu essen mit und man baut damit dann ein großes Buffet auf. Ca. die Hälfte der Gäste waren internationale Studenten, z.B. aus Indien, Asien, Südafrika und Deutschland, so dass es viele leckere Speisen auszuprobieren gab. Wir haben einen klassischen Nudelsalat mit "Fleischring Saussage" mitgebracht. Die Landschaft mit Häuschen ist komplett aus Süßigkeiten gestaltet. Nach dem Essen haben wir dann noch ein "Kreativ-Partyspiel" gespielt, was wegen der manchmal spezifisch kanadischen Inhalte teilweise etwas schwierig war.

Dienstag

Heute Mittag fand an der Uni ein "Christmas Dinner" für International Students statt, für das wir alle Tickets gekauft hatten (war eine kleine Überraschung für Moni). Das Essen selbst war nicht so toll (hat auch nur symbolische 2 Dollar gekostet), aber danach wurden noch ein paar Weihnachtslieder mit Santa Claus gesungen und ich konnte Moni ein bißchen die Uni zeigen.

Nachdem wir noch alle zusammen einen Weihnachtsbaum für die Wohnung von Markus und Wolfgang gekauft haben (wo wir Heilig Abend feiern werden), sind Moni und ich abends zu "Bright Nights in Stanley Park" gegangen. Dort waren die Bäume mit vielen Lichtern wunderschön geschmückt und mit leuchtenden Figuren verschiedene Szenen aufgebaut. Vielleicht ein bißchen kitschig, aber an Weihnachten ist so etwas genau richtig!

Mittwoch

Heute ist Heilig Abend und Moni und ich machen uns gerade fertig. Um fünf Uhr treffen wir uns bei Markus und Wolfgang zum Kochen und nach der Bescherung geht es dann um Mitternacht noch in die Kirche.

Wir wünschen Euch allen Frohe Weihnachten und besinnliche Festtage und möchten uns an dieser Stelle schon mal für die vielen guten Wünsche und Grüße aus Deutschland bedanken.

Fortsetzung: Kurz vor fünf machten wir uns mit zwei Rucksäcken und einer Reisetasche voll Geschenken auf den Weg zu Markus und Wolfgang. Dort wurde erst noch der Weihnachtsbaum, den wir gestern gekauft hatten, geschmückt und die Lichterkette mit 16 verschiedenen Effekten (Lauflicht, Blinken, ...) ausprobiert. Am Ende haben wir uns dann aber doch für das traditionelle "Standlicht" entschieden. Auch wenn wir nicht besonders viel Schmuck hatten (nur die Lichterkette, selbstgebastelte Sterne, ein paar Kugeln und Zuckerstangen von Santa Claus) war der Baum doch wunderschön. Das Christkind war wohl der gleichen Meinung und legte überraschend viele Geschenke darunter.

Zum Abendessen gab es Rahmgeschnetzeltes mit selbstgemachten Spätzle und Salat. Darauf hatten wir uns zum Glück vorher einigen können, es war nämlich gar nicht so einfach ein Essen zu finden, das allen schmeckt und zu Heilig Abend passt. Nach einem gemütlichen Kochen gab es dann das leckere Essen, das allen zu schmecken schien, denn es war plötzlich ganz still.

Nach dem Abspülen (erst die Arbeit, dann das Vergnügen), kam dann beim traditionellen Nüsseknacken das moderne Christkind mit einem Handyklingeln. Jeder suchte seine Päckchen und freute sich über viele schöne Geschenke. Sollte irgendjemand das Christkind treffen, richte er/sie ihm bitte ein riesengroßes Dankeschön aus.

Um 11 Uhr machten wir uns dann schließlich auf den Weg in einen Mitternachtsgottesdienst, in einer schönen katholischen Kirche. Der Gottesdienst war mit Chor sehr feierlich, aber auch etwas streng: Zur Kommunion (für die Evangelischen: Abendmahl) wurde extra erwähnt, dass diese nur für praktizierende Katholiken gedacht ist. Alle anderen durften sich nur einen Segen abholen, worauf wir dann auch verzichtet haben.

Insgesamt hatten wir wirklich schöne, deutsche Weihnachten in Kanada!

Donnerstag

Heute haben wir uns einen ruhigen Tag gemacht, weil es mir (Sebastian) nicht so gut ging. Habe wohl das Essen gestern nicht so ganz vertragen (obwohl es sehr lecker war). Details und vor allem Bilder will ich Euch lieber ersparen.

Freitag

Ausnahmsweise begrüßte uns heute morgen die Sonne und wir freuten uns auf einen schönen Ausflug nach Downtown. Dort haben wir uns zunächst Gastown mit der berühmten Steamclock angeschaut. Mit dem gleichen Dampf, mit dem die Uhr betrieben wird, werden dort auch einige Gebäude (z.B. die große Bibliothek) beheizt.

Danach sind wir auf die Aussichtsplatform des Harbour-Towers, eines der höchsten Gebäude Downtowns, mit dem Aufzug gefahren (im Hintergrund auf dem Bild mit der Steamclock zu sehen). Dort bekam man einen tollen Überblick über die Dimensionen von Vancouver und natürlich eine fantastische Aussicht. Leider wurde die Sicht durch aufziehende Wolken schnell getrübt und am Ende fing es sogar noch zu schneien an. Als wir wieder unten waren, blieb leider nur noch Regen übrig.

Schnell eilten wir ins "Pacific Center" (ein Einkaufszentrum, das sich über drei Straßen-Blöcke erstreckte). Dort stürzten wir uns in die Menschenmassen, die heute anlässlich des "Boxing-Days" die Geschäfte füllten. Denn immer am 2. Weihnachtsfeiertag gibt es in Amerika Rabatte bis zu 70 Prozent. Leider war es so voll, dass wir für manche Geschäfte sogar Schlange stehen mussten, um überhaupt hereingelassen zu werden. Moni hat sich ein Oberteil und Sebastian Turnschuhe gekauft.

Nach einem weihnachtlichen Cafe-Trinken mit Plätzchen, Stollen und Applie-Pie bei Markus und Wolfgang, gingen wir im dunkeln noch mal hoch auf den Harbour-Tower und hatten einen atemberaubenden Blick auf Vancouver bei Nacht.

Samstag

Eigentlich wollten wir heute nach China-Town und uns dort den angeblich schönsten Chinesischen Garten außerhalb Chinas anschauen. Nur leider hat das Wetter heute nicht ganz so gut mitgespielt, sodass meine Motivation heute überhaupt auszugehen gleich null war. Schließlich konnte mich aber Sebi doch noch für einen Besuch im Bloedel-Konservatorium, eine Art Vogelhaus, begeistern, und abends war Kino geplant (Love actually is all around = Tatsächlich Liebe). Im Englischen macht der Titel wenigstens auch mal Sinn!

Naja, so war's geplant, aber erstens kommt es ja anders und zweitens als man denkt! Also, wir bis oben eingepackt, denn, oh Wunder: es hat gestern auch mal hier geschneit, laufen wir los, um zum Bus zu kommen. Da bemerkt Sebi, dass sein Portemonaie nicht in der Jacke ist, also wir nochmal zurück, auf der Suche nach seinem Geld. Zuhause hat uns dann Bob angeboten uns mit nach Downtown zu nehmen, also änderten wir unsere Pläne und ersetzten das Bloedel Konservatorium durch einen Stadtbummel.

Doch grad in der Stadt angekommen, schon wieder völlig frustriet, weil der 3 cm hohe Schneematsch in unsere Schuhe eingedrungen war, entschlossen wir uns, erstmal was gutes für uns zu tun und begaben uns deswegen ins "Death by Chocolate". Für alle Schokoladen-Liebhaber: da müsst ihr hin!!!

Danach machten wir uns auf ins SEARS, ein Kaufhaus, vom Aufbau ähnlich der Galeria Kaufhof, allerdings viel größer und exklusiver. Dort begaben wir uns in die Herren-Abteilung, um nach Hosen für Sbei zu schauen. Und tatsächlich, wir wurden fündig: ungefähr 1,5 Stunden waren wir damit beschäfitgt Hosen anzuprobieren, ich suchte immer neue und er zog sie bereitwillig an. Am Ende hatten wir knapp 20 Hosen anprobiert und mit einer Cordhose und einem Pulli verliesen wir dann das Kaufhaus, in Eile, um noch rechtzeitig zum Kino zu kommen.

Sonntag

Heute haben wir uns das Chinatown von Vancouver angeschaut, der größte chinesische Stadtteil in ganz Nordamerika. Dort steht auch das schmalste Bürogebäude der Welt, das nur 1,80m breit ist (das andere Gebäude ist nur direkt daran gebaut). Es gab es eine Menge fremdartiger Eindrücke zu entdecken und vor allem zu riechen, da überall auf den Straßen chinesische Lebensmittel verkauft wurden, von denen wir die meisten noch nie gesehen hatten. Mitten in Chinatown liegt der "Dr. Sun Yat-Sen Classical Chinese Garden", ein traditioneller chinesischer Garten im Stile der Ming Dynastie.


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